¡Dame vueltas! – Meine Arbeit im Kindergarten

So, nach mittleIMGP3535rweile fast zwei Monaten wird es nun doch höchste Zeit für den ersten Blogeintrag aus Bolivien! Geplant war es nicht, dass der Eintrag erst so spät erfolgt, aber leider mussten wir unsere Arbeit hier, über die ich jetzt endlich berichten will, für einen Monat unterbrechen, um unser Visum in Cochabamba verlängern zu lassen (in diesem Punkt macht Bolivien Deutschland in Sachen Bürokratie auf jeden Fall alle Ehre), und uns natürlich auch im Kindergarten erstmal eingewöhnen.

Die Grundidee, uns erst im Kindergarten arbeiten zu lassen, bevor wir den älteren Schülern im nächsten Schuljahr Englischunterricht geben dürfen, ist es, uns zu erleichtern, Spanisch als Alltagssprache zu verwenden, da wir imIMGP3590 Kindergarten gemeinsam mit den Kindern, die teilweise in ihren Familien nur Quechua sprechen, Spanisch lernen können. Außerdem haben die Kinder  keine Berührungsängste und sprechen mit uns, auch wenn wir sie auch beim dritten Mal noch nicht verstehen, sodass es nicht schwer ist, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Es ist also auf jeden Fall sinnvoll, das FSJ mit der Arbeit im Kindergarten zu beginnen, doch auch hier hat es eben ein wenig gedauert, sich einzuleben, zu lernen, die Kinder zu verstehen, Hemmschwellen zu überwinden und Aufgaben für sich zu finden. Mittlerweile komme ich super zurecht und fühle mich bei den Kleinen viel wohler, als ich es jemals erwartet hätte!! Es macht mir im Moment wahnsinnig viel Spaß und ich möchte noch gar nicht daran denken, dass die Zeit im Kindergarten schon bald wieder vorbei ist…

IMGP3606Obwohl sich mittlerweile alles eingespielt hat, möchte ich aber trotzdem noch von den Hürden, die es in der Anfangszeit zu überwinden galt, berichten. Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer. Besonders schwierig fand ich es zu Beginn, überhaupt ansatzweise zu verstehen, was die Kinder mir sagen wollen. Denn auch drei Jahre Spanischunterricht bringen nicht viel, wenn die Kinder alle durcheinanderreden oder etwas im Mund haben, während sie sprechen. Mittlerweile verstehe ich schon viel mehr als am Anfang und habe auch gelernt, mir aus ihrer Körpersprache vieles abzuleiten. Besonders, wenn man sich dann auch mit Kindern, die nur Quechua sprechen, unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen letztendlich irgendwie verständigen kann, ist das wirklich eine tolle Sache!

Neben den Sprachproblemen gab es auch noch einen weiteren Punkt, der es mir in den ersten Tagen nicht ganz leicht gemacht hat, gleich Zugang zu den Kindern zu finden: innere Hemmschwellen. Wenn man noch nie mit so kleinen Kindern gearbeitet hat, erfordert es die Arbeit hier doch ab und zu, über seinen Schatten zu springen und sich selbst zu überwinden. War ich am Anfang noch zögerlich, so mache ich mir mittlerweile keine Gedanken mehr darüber, ein Kind an der Hand zu nehmen, auch wenn sie von Süßigkeiten klebt, ihnen über den Kopf zu streicheln, auch wenn wir etliche Male gewarnt wurden, dass bei einigen Läuse in den Haaren sitzen, oder sie einfach mal auf den Schoß zu nehmen und ihnen das Gesicht abzuputzen, wenn es vom Rotz verschmiert ist.

DSC05848Die größte Hürde jedoch war es, Aufgaben für mich selbst zu finden. In der Eingewöhnungszeit habe ich mich manchmal ein wenig verloren gefühlt, weil ich nicht wirklich wusste, was ich machen sollte und nur danebenstand. Die Situation ließ sich aber durch ein wenig Eigeninitiative auch bewältigen. So übernehme ich einige praktische Aufgaben, wie die Korrektur der Hausaufgaben (hier ist der Kindergarten generell eher wie eine Vorschule ausgelegt: Die Kinder sind wie bei Schulklassen nach Altersstufen in Gruppen aufgeteilt, lernen schon in sehr jungem Alter Lesen und die Schreiben und bekommen dazu auch Hausaufgaben) oder die Vorbereitung von Bastelarbeiten. Der in meinen AugeDSC05853n viel wichtigere Teil meiner Arbeit hier, der dem ganzen erst wirklich Sinn gibt, ist es aber, einfach Zeit mit den Kindern zu verbringen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, die sie leider in ihren Familien mit oft mehr als sechs oder sieben Geschwistern manchmal vielleicht nicht ausreichend erfahren. Das merkt man ihnen teilweise schon auch an und so habe ich es mir eben zur Aufgabe gemacht, hinter den Jungs, die schon immer voller Freude „¡No me atrapas!“ – „Du fängst mich nicht!“ schreien, beim Fangenspielen herzujagen und die Kinder nach der Aufforderung „¡Dame vueltas!“ einfach mal in der Luft herumzuwirbeln oder kopfüber durch die Gegend zu tragen, wobei sie immer laut loslachen. Nebenbei steht natürlich auch noch ein wenig Streitschlichten oder bei Wehwehchen trösten an. Am Anfang waren es vor allem die Mädchen, die ich auf den Schoß genommen und ein wenig mit Streicheleinheiten versorgt habe, mittlerweile kommen aber auch immer mehr von den Jungs auf mich zu und wollen einfach mal in den Arm genommen werden.

Es ist einfach unglaublich süß und, so abgedroschen es auch klingt, das Lächeln der Kinder ist letztendlich der schönste Dank, den man mir für die Arbeit hier geben kann und erinnerIMGP3596t mich auch in schwierigeren Zeiten immer wieder daran, warum ich eigentlich hier bin. Die Welt kann ich durch meinen Einsatz sicherlich nicht retten, aber wenn ich auch nur zu einzelnen Momenten beitragen kann, in denen die Kinder den Druck in der Vorschule, der durch das Lernen in frühster Kindheit und in meinen Augen etwas fragwürdige Traditionen (weil Bolivien noch stark durch die Zeit der Militärregierungen geprägt ist, müssen die Kinder sogar im Kindergarten schon marschieren) entsteht, und die schwierigen Umstände, unter denen sie in ihren Familien leben, vergessen uDSC05846nd einfach unbeschwert Spaß haben können, so denke ich doch, dass es das Jahr, das ich hier bin, vollkommen wert ist, und genieße es einfach, mit den Kindern Zeit zu verbringen!

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